ERICSSON COMPACT 9000 PA-Dummy für Steuersender

Warum braucht man den Dummy?

Die RCU (Steuerung des Senders) fragt ständig den Zustand der Endstufe HPA über den I2C-Bus ab. Dabei werden wichtige Betriebsparameter gemessen, siehe hierzu Steuerplatine in der Endstufe. Wenn die RCU einen Fehler feststellt, wird der Steuersender verriegelt und kann je nach Priorität des Fehlers erst durch einen Hardware-Reset und Fehlerbehebung wieder in Betrieb genommen werden. Fehlt die Information aus der PA, wird vom schlimmsten Fall ausgegangen. Ohne Informationen aus der Endstufe läßt sich somit der Steuersender nicht sinnvoll betreiben. Natürlich kann man der RCU auch nur vorgaukeln, daß alles ok ist und genau das macht der beschriebene PA-Dummy.

Die Schaltung

Kern der Schaltung ist ein programmierter Microcontroller PIC16F84 mit 20 MHz Taktfrequenz. Zusätzlich sind noch vier Jumper vorgesehen, mit denen die gewünschte (vorzugaukelnde) Sendeleistung einstellbar ist. Der Reset-Taster kann auch weggelassen werden. Die drei I2C-Bus-Leitungen SDA, SCL und GND müssen nur noch mit dem I2C-Bus des Steuersenders verbunden werden.

Aufbauvorschlag für den Dummy

 

Durch den minimalen Schaltungsaufwand bietet es sich an, den Dummy auf eine Lochrasterplatine in einem Weißblechgehäse (37 x 37 x 30 mm) aufzubauen. Am besten paßt man die noch unbestückte Platine in den verlöteten Weißblechrahmen ein. Die Zuführung der Versorgungsspannung kann über einen 1 nF-Durchführungskondensator erfolgen. Der I2C-Bus ist über normale Glasdurchführungen nach außen geführt.

Als Montageplatz für den Dummy bietet sich die Rückwand mit den bereits vorhandenen Löchern an. Beispielsweise kann das Gehäuse mit einigen Kabelbindern befestigt werden.

Anschluß an Steuersender

Der I2C-Bus ist an der SUB-D-Buchse "RCU external bus" auf der Rückwand herausgeführt und kann dort angezapft werden.

Belegung:
SCL - 1
SDA - 14
GND - 7

Eine bessere Möglichkeit ist, den (geschirmten) Dummy in das Sendergehäuse einzubauen. Auf der RCU-Platine sind in der Nähe der Rückwand sogar Anschlußpads für die 5 V-Versorgung und den I2C-Bus vorgesehen:

Inbetriebnahme / Bedienung

Wenn der Steuersender nicht auf Sendung geschaltet ist, meldet der Dummy trotzdem eine Sendeleistung an den COMPACT9000. Dies scheint nicht weiter zu stören, der Vorteil ist sogar, daß auch ohne eingeschalteten Sender die "vorgegaukelte" Leistung im Display des Steuersenders angezeigt wird.

Wichtig: Die vorgegaukelte Sendeleistung muß genau mit der als Pset am COMPACT 9000 eingestellten Leistung übereinstimmen. Sonst beginnt der Steuersender seine Ausgangsleistung zu regeln und steuert bei zu kleiner zurückgemeldeter Leistung maximal aus und reduziert bei zu großer Leistung den Sendepegel.

Tabelle der erlaubten Sendeleistungen mit Jumperstellung (0=Jumper offen, 1=Jumper geschlossen)

Pout (Steuersender)
in W (circa)
Pset/W J3 J2 J1 J0
5 25 0 0 0 0
7 38 0 0 0 1
9 50 0 0 1 0
11 63 0 0 1 1
13 75 0 1 0 0
14 88 0 1 0 1
16 100 0 1 1 0
17 113 0 1 1 1
18 125 1 0 0 0
20 138 1 0 0 1
23 150 1 0 1 0
26 163 1 0 1 1
26 175 1 1 0 0
26 188 1 1 0 1
26 200 1 1 1 0
siehe unten 210 W*) 1 1 1 1

*) Hinweis:
Nur neuere Versionen des COMPACT9000 (Einstellbereich für Sendeleistung bis 210 W) unterstützen diese Einstellung! Es wird eine Leistung von 210 W vom Dummy an den Steuersender zurückgemeldet => maximale Sendeleistung des Steuersenders. Diese Einstellung funktioniert erst ab der Softwareversion 0.3 des Dummys. Bei älteren Versionen des COMPACT9000 (Einstellbereich für Sendeleistung bis 200 W) und Softwareversionen des Dummys bis einschliesslich 0.2 sollte diese Einstellung nicht verwendet werden, weil die Einstellung einen Alarm verursacht und die Sendeleistung auf ein Minimum geregelt wird. Diese Einstellung sollte nicht ohne sorgfältige Überprüfung des Ausgangssignals eingesetzt werden (evtl. Intermodulationsprodukte durch zu starke Drosselung der Treiberstufe). Zudem liegt kurz nach dem Einschalten noch die volle Sendeleistung an!

Der Testpin am Prozessor

Der Testpin ist ein Ausgang zur Funktionskontrolle des Dummys. Er schaltet auf High (5V), sobald das erste mal die Adresse 094h auf dem I2C-Bus liegt. Wenn der Testpin nach dem Anschluss an den Funkrufsender nicht auf High geht, liegt ein Kommunikationsproblem auf dem I2C-Bus vor. Die Ursache ist meistens ein Verdrahtungsfehler der I2C-Leitungen. Die Funktion des Dummys (richtige Software, Prozesor ok) kann man mit dem Testpin unabhängig vom Funkrufsender testen, indem man den Dummy mit irgendeiner I2C-Bus-Master-Schaltung unter Adresse 94h adressiert. Wenn der Dummy funktioniert, sollte der der Testpin auf High schalten und auch dort bleiben.

Wie kommt man an programmierte Controller?

An Funkamateure gebe ich den fertig programmierten und getesteten Controller zum Selbstkostenpreis ab. Bitte bei mir anfragen.

Das Programm in Form des HEX-Files und der dazugeörende Quelltext werden nicht veröffentlicht, weil ich eine Nutzung der Komponenten für Zwecke außerhalb des Amateurfunks vermeiden möchte und von Teilen des Quelltexts keine Erlaubnis zur Veröffentlichung vorliegt. Wer sich für die Programmierung des Dummys interessiert, sei auf die Homepage von Microchip verwiesen (AN541).


03.12.2002 (c)  Martin Kuhn, DL3SFB
Alle gemachten Angaben sind ohne Gewähr und dürfen ausschließlich zum Einsatz im Amateurfunk verwendet werden.